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Graduiertenkolleg »Die
christlichen Kirchen vor
der Herausforderung ›Europa‹«

Colonel-Kleinmann-Weg 2
(SB II 3.OG)
55128 Mainz

Tel: +49 (0) 6131-39-27244




 

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Forschungsprogramm

Zentrale ForschungsideeForschungsschwerpunkteSchwerpunkt 1Schwerpunkt 2Schwerpunkt 3Integrative Verknüpfung der Forschungsschwerpunkte

Zentrale Forschungsidee ] 

Das Graduiertenkolleg »Die christlichen Kirchen vor der Herausforderung ›Europa‹« greift interdisziplinäre und fächerübergreifende Forschungsansätze auf, die zivilgesellschaftliche Kräfte in ihrem Diskurs über und ihrem Einfluss auf den Europäisierungsprozess untersuchen. Es wendet sich einem spezifischen Aspekt dieses breiten Themenfelds zu, indem es seinen Fokus auf die Interaktion zwischen politischen bzw. gesellschaftlichen Prozessen einerseits und religiösen – in diesem Fall christlichen – »Sinngebungsinstanzen« andererseits richtet. Seit den 1890er Jahren thematisierten sowohl die »große« Politik als auch zivilgesellschaftliche Kräfte die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Europagedanken, der immer wieder – vor allem im Umfeld politischer, sozialer und wirtschaftlicher Fundamentalkrisen – die Einheit des Kontinents einforderte. Mittlerweile sind zahlreich vorhandene publizistische und literarische Texte sowie politische Dokumente, welche den europäischen Zusammenschluss seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert thematisierten, für die weitere Aufarbeitung zugänglich gemacht worden. An diesem Punkt setzt die Forschungsidee des Graduiertenkollegs an. Denn dem »Europagedanken« und der Vision eines »vereinten« Europa, die sich in Politik und Gesellschaft zu realisieren begannen, konnten und wollten sich auch die christlichen Kirchen nicht entziehen. Schließlich sahen sie sich, ihrem christlichen Selbstverständnis gemäß, nicht nur in der Verantwortung für das geistliche Leben, sondern nahmen auch politische und gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten für sich in Anspruch. Ein Thema solchen Zuschnitts kann nicht allein aus der Perspektive historischer Forschung bearbeitet werden. Denn die Forschungsidee verknüpft Fragestellungen, die auch für theologische, politikwissenschaftliche und juristische Erkenntnisinteressen von besonderem Reiz sind.

 

Forschungsschwerpunkte [ ]

Die in die drei Forschungsschwerpunkte eingegliederten und auf sie zugeschnittenen Arbeitsfelder ermöglichen eine multiperspektivische Annäherung an die Fragestellung, bei der thematische Fokussierungen und exemplarische Studien einander ergänzen. Sie sind darüber hinaus geeignet, größtmögliche Interdisziplinarität zu gewährleisten, die zur Bearbeitung der einzelnen Facetten in hohem Maß notwendig ist. Die perspektivische Konzentration, die sich in entsprechenden – im jeweiligen Schwerpunkt angesiedelten – Dissertationsthemen niederschlägt, lässt zugleich ein breites Spektrum unterschiedlicher Zugriffe zu: Länderstudien sind ebenso möglich wie konfessionsvergleichende Perspektiven, die Erschließung transnationaler Bewegungen und Organisationen oder biographische Analysen. Auch Europakritik und Europaskepsis werden in der zweiten Förderphase verstärkt einbezogen.

 

Schwerpunkt 1: Die Kirchen und der Europadiskurs – kirchliche Positionierungen in der Zwischenkriegszeit und seit dem Zweiten Weltkrieg [ ]

Der Forschungsschwerpunkt kombiniert zur Aufarbeitung des Themas des Graduiertenkollegs den Zugang über die institutionelle Ebene der europäischen Kirchen mit der chronologischen Perspektive und gewährleistet so eine grundlegende Orientierung über das Forschungsfeld. Er fragt zum einen nach den Verlautbarungen aus Kirchenkreisen in der Zeit von 1890 bis in die Gegenwart und thematisiert zum anderen das gezielte Engagement von Kirchen bzw. ihrer Repräsentanten und Gremien in der Europa-Bewegung.

 

Schwerpunkt 2: Öffentlichkeit und Handlungsräume: Wege – Medien – Akteure [ ]

Der Schwerpunkt fragt danach, in welcher Weise die »Herausforderung Europa« in der kirchlich oder zumindest christlich orientierten Öffentlichkeit diskutiert wurde und welche Reaktionen dies hervorrief. Er setzt also die notwendige Unterscheidung zwischen der jeweils konfessionell und strukturell gefestigten institutionellen Ebene einerseits  und einer kirchlich gebundenen oder zumindest kirchlich interessierten Öffentlichkeit in ihren jeweiligen Handlungsräumen andererseits voraus, deren Haltung und Meinungsbildung keineswegs mit derjenigen der Amtskirche identisch zu sein brauchte. 

 

Schwerpunkt 3: Kirche und gesellschaftliche Verantwortung in Europa und in der Welt: Werte und ethische Konzeptionen [ ]

Die kirchlichen Perspektiven auf Europa sind vor allem durch Werte und (sozial)ethische Konzeptionen geprägt, die sich im Laufe der stärkeren Fokussierung auf die europäische Integration weiter entwickeln und neu konturieren. Die christlichen Konfessionen haben dazu insbesondere seit dem 19. Jahrhundert »Soziallehren« entwickelt, die allerdings nicht gleichzeitig entstanden, in ihren Argumentationsstrukturen durchaus sehr verschieden waren und sich zunächst auf die nationalstaatliche Ebene bezogen. In diesem Schwerpunkt gilt es insbesondere zu untersuchen, woraus sich die kirchliche Kompetenz auf dem Feld europäischer politischer und sozialethischer Fragestellungen speist, auf welche Fragen sich die Kirchen dabei vor allem konzentrieren, wie sie sich artikulieren und in welchen Formen sie ein dementsprechendes Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden organisieren. Zugleich ist zu klären, inwieweit die Orientierung auf ein geeintes Europa Fragen globaler Gerechtigkeit ausklammert oder umgekehrt deren Herausforderungscharakter sogar noch deutlicher werden lässt.

 

Integrative Verknüpfung der Forschungsschwerpunkte [ ]

Alle Forschungsschwerpunkte sind so angelegt, dass sie die spezifischen Fragestellungen und methodischen Zugänge der am Graduiertenkolleg beteiligten Disziplinen integrieren. Der erste Schwerpunkt wählt einen Zugang über die institutionelle Ebene der europäischen Kirchen und kirchlicher/kirchennaher Organisationen. Zum einen wird nach den Verlautbarungen aus Kirchenkreisen in der Zeit von 1890 bis zum Zweiten Weltkrieg gefragt und dabei auch die Instrumentalisierung von Kirchen bzw. Kirchenrepräsentanten durch die Europa-Bewegung thematisiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand als Reaktion auf die Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus auch in den Kirchen ein auf europäische Vernetzungen zielendes pazifistisches Potential, das mit den politischen Integrationsbemühungen in Interferenz treten konnte, aber nicht musste. Der zweite Schwerpunkt stellt dem auf die Kirchen als Institutionen gerichteten Fokus die Perspektive auf die kirchennahen Organisationen und Entscheidungsträger zur Seite, die in die Öffentlichkeit hineinwirkten und deren Meinungsbildung entscheidend mitgestalteten. Über die hier angesiedelten Themenkomplexe kann der Frage nachgegangen werden, wie kirchenamtliche oder -offiziöse Positionen zustimmend, kritisch ablehnend oder modifizierend aufgenommen wurden. Dies wird ergänzt durch den im dritten Schwerpunkt thematisierten Aspekt der globalen Ausstrahlung und Wirkung, die die kirchlichen Perspektiven auf Europa hervorbrachten. Dass diese sich insbesondere auf dem Feld der Werte-Diskussion und der ethischen Konzeptionen für ein zusammenwachsendes Europa konzentrieren würden, liegt auf der Hand, zumal die kirchliche Kompetenz für Europa auch im Selbstverständnis der Kirchen nicht primär auf politischem, sondern weit stärker auf dem Feld sozialethischer Fragestellungen angesiedelt war und ist.